Moderne Fahrzeuge sind in der Art und Weise, wie sie Daten austauschen, Smartphones immer ähnlicher geworden. Neue Herausforderungen sind entstanden, vor allem in Bezug auf Cybersecurity und Datensicherheit. Wie können Datenschutz und Datennutzung sinnvoll in Einklang gebracht werden?

Der TÜV als Datentreuhänder

Wem gehören die Fahrzeugdaten? Wer verwaltet sie? Daten aus vernetzten Fahrzeugen ermöglichen eine Vielzahl von nützlichen Anwendungen. Diese Daten brauchen einen vertrauenswürdigen Schutz. Damit z.B. Flottenbetreiber ihre Geschäfte effizient führen können, brauchen sie Nutzer, die ihnen Informationen zur Verfügung stellen. Idealerweise sollten die Nutzer dies mit Vertrauen tun können. Schauen wir uns das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und Datennutzung einmal genauer an.

Datenschutz und Datennutzung

Bislang war der Prozess relativ einfach. Bei älteren Fahrzeugen können die Daten nur über die „On-Board-Diagnose“(OBD)-Schnittstelle ausgelesen werden. Entweder durch den Nutzer selbst oder durch eine Fachwerkstatt. Viele der neueren Fahrzeuge sind jedoch in der Regel immer ‘online’ und damit fast ständig mit einem Server des jeweiligen Herstellers verbunden. Wenn die Fahrzeuge in die Werkstatt kommen, können Mechaniker dann auf die Daten zugreifen. Aber solche Daten sind nicht nur für Werkstätten interessant.

Rechtliche Aspekte der Weitergabe von Fahrzeugdaten bleiben Grauzone

Fahrzeuge werden zunehmend zu vernetzten Geräten, und damit wird auch die Situation zunehmend komplexer. Vernetzte Fahrzeuge übertragen Daten, aber der Umgang mit diesen Daten ist derzeit noch eine Grauzone. Als neutrale Organisation, die sich mit Fragen des Datenschutzes auskennt, sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Datentransparenz und Datenverwendung im Interesse von Fahrzeugführern und -haltern zu gewährleisten. Auch die Einwilligung der Nutzer (‘Opt-Ins’) in die Nutzung personenbezogener Daten muss abgefragt werden. Dies sollte natürlich nicht erfordern, dass die Nutzer alle drei Minuten auf ‘OK’ klicken müssen, um ihre Zustimmung zu geben wie bei Website-Cookies. Es sind intelligente Konzepte gefragt, die eine Brücke schlagen zwischen dem Interesse der Fahrer an Datenschutz und den Interessen von Industrie, Forschung, Behörden, Versicherern und Flottenbetreibern.

Effizientes Flottenmanagement hängt vor allem davon ab, dass valide Daten vorliegen – von Kilometerstand, Kraftstoffverbrauch und Fahrweise bis hin zu Fahrzeugvergleichen zwischen verschiedenen Klassen, Motoren und Marken. Für Anwendungen wie digitales Schadenmanagement, vorausschauende Wartung, Geofencing und die Analyse der elektrischen Fahranteile von Plug-in-Hybriden werden zukünftig immer mehr Daten in ausreichender Menge und Qualität benötigt. Dies ist eindeutig ein “berechtigtes Interesse” im Sinne der General Data Protection Regulation (GDPR). Doch wie kommuniziere ich das meinem Fahrzeugnutzer?

Studie: Fahrzeugnutzer geben unter bestimmten Voraussetzungen gerne Daten weiter

In Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen haben wir eine groß angelegte Studienreihe durchgeführt, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Autofahrer in Deutschland bereit wären, Daten aus ihren vernetzten Fahrzeugen zu teilen. 

Das zentrale Ergebnis:

Wenn ein unabhängiger Dritter als Datentreuhänder fungiert, steigt das Vertrauen der Verbraucher und damit die Bereitschaft, Daten zu teilen, deutlich an. Zudem sind die Nutzer unter diesen Bedingungen offenbar bereit, mehr Informationen herauszugeben als ohne die Beteiligung eines Dritten.

Zudem sind die Nutzer unter diesen Bedingungen offenbar bereit, mehr Informationen herauszugeben als ohne die Beteiligung eines Dritten.

Für Anwendungen im Flottenmanagement und ähnlichen Bereichen ist die Einbindung eines Treuhänders zur Verwaltung und ggf. Verarbeitung der Fahrzeugdaten daher effizienter und aus Datenschutzgründen sinnvoll. Der Einsatz eines Treuhänders lohnt sich auch deshalb, weil so eine breitere und validere Datenbasis geschaffen werden kann.

Ein Datentreuhänder verbindet effizientes Flottenmanagement mit Datenschutz

Wie sieht das in der Praxis aus? Wir haben eine Lösung – “Trusted Data Services” – entwickelt, die wir bereits als unabhängige “dritte Partei” für große Flottenbetreiber einsetzen.

Trusted Data Services fungieren als Zwischenbausteine, um Transparenz zu schaffen und die Interessen aller Beteiligten zu wahren. Sie fungieren als direkte Schnittstellen z. B. zu Flottenmanagementsystemen.

Über Trusted Data Services holen wir als neutrale Instanz die Opt-Ins der Nutzer ein, sichern und verwalten die erfassten Daten und leiten sie pseudonymisiert an Flottenmanagement- oder ähnliche Systeme weiter. Wir agieren also als Rechteverwalter (wer bekommt Zugriff?) und Ressourcenanbieter (welche Daten und Funktionen werden bereitgestellt?).

Alle Parteien profitieren von dem System. Fahrzeughalter und Fahrer können sich darauf verlassen, dass die Datenverarbeitung höchsten Sicherheitsansprüchen genügt und sie ihre Datenschutzrechte aktiv wahrnehmen können. Sie können auch sicher sein, dass durch die Verschlüsselung der Daten durch den Datentreuhänder eine personalisierte Auswertung ihrer Daten nur mit ihrer Zustimmung erfolgen kann. Fuhrparkmanager, Flottenmanager und Datennutzer, wie z.B. Schadenmanagementsysteme, erhalten ebenfalls umfassende, aufbereitete Datensätze zu den einzelnen Fahrzeugen. Trusted Data Services ermöglichen es Flottenbetreibern außerdem, sofort klare und überprüfbare Angaben zur Einhaltung des Datenschutzes zu machen, z.B. für eine behördliche Prüfung oder einen Betriebsrat. Dies ist besonders wichtig, da Fuhrparkleiter und Geschäftsführer oft persönlich dafür verantwortlich sind, dass die Datenverarbeitung gemäß
GDPR erfolgt.

Zusammenfassend:

Wir werden normalerweise nicht mit Datenverarbeitung in Verbindung gebracht, aber Tatsache ist, dass wir uns systematisch Expertise zu Themen der digitalen Ära aufgebaut haben. Wir sind daher in der Lage, das zu liefern, wofür unsere Marke steht: Vertrauen. Dabei bleibt die Mobilität eines unserer Kernthemen – und Trusted Data Services verbindet diese beiden Kompetenzen. Beim Flottenmanagement wissen wir aus Erfahrung, dass sich Nutzer nicht nur sicher fühlen, sondern auch viel eher bereit sind, Daten zur Verfügung zu stellen, wenn sie ihre Zustimmung durch uns als zwischengeschaltete dritte Partei geben.

Autor des Beitrags

Smart Mobility Team

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Autoren-Team

Das Smart Mobility Team besteht aus Autoren, die sich mit Themen rund um die Mobilität der Zukunft beschäftigen.

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