Im letzten Herbst sind meine liebe Kollegin Nicole und ich mit einem Mietwagen zu einem Außendreh gefahren. Vielleicht kennt ihr diese Situation, wenn man zum ersten Mal in einem fremden Fahrzeug sitzt: Es dauert nicht lange und schon piepst oder vibriert es irgendwo, zumindest bei den neueren Modellen.

Pieps- und Warnsignale

Nicole ist an diesem Tag dankenswerter Weise gefahren und ich habe als Beifahrerin tatkräftige Unterstützung bei der Ursachenforschung der Pieps- und Warnsignale geleistet. Fahrassistenzsysteme in Hülle und Fülle. Besonders angetan hatte es uns der Signalton, der immer dann ertönte, wenn Nicole die Spur wechselte und dabei – natürlich aus Versehen – vergessen hatte, den Blinker zu setzen. Wo kann man dieses unsägliche Geräusch denn ausstellen? Wir haben die Lösung bis zum Schluss nicht gefunden. Einfach „genau.richtig“ verhalten, blinken, Schulterblick und erst dann die Spur wechseln, werdet ihr jetzt alle denken. Und ihr habt ja so recht.

Auch wenn wir auf der 1,5-stündigen Fahrt mehrfach geflucht haben oder nahe der Verzweiflung waren, am Ende mussten wir dann über uns selbst lachen. So sehr die Signale auch nerven, letztendlich dienen Fahrassistenzsysteme unserer Sicherheit. Sie erinnern uns an die Dinge, die wir eigentlich alle in der Fahrschule gelernt, aber manchmal auch wieder vergessen haben.
Noch heute lachen wir über diese lustige Fahrt. Zum Beispiel dann, wenn wir uns im Social Media Team von TÜV Rheinland darüber unterhalten, was mein nächster Blogartikel sein könnte. Was mich direkt zu der Frage gebracht hat, welche Fahrassistenzsysteme es im Jahr 2020 eigentlich noch so gibt, die mich schmerzlich zurück in das Fahrschulauto im Jahr 2010 beamen. Wow, dabei fällt mir gerade auf, dass ich schon seit 10 Jahren meinen Führerschein habe. Gar kein schlechter Zeitpunkt also, mein Verkehrswissen aufzufrischen.
Fahrassistenzsysteme

Die 10 typischsten Fahrassistenzsysteme von Heute:

1. Sicherheitsgurt

Stellt der Assistent ein Gewicht auf dem Sitz fest, ertönt solange ein Warnsignal, bis der Sicherheitsgurt geschlossen wurde. Bei manchen Assistenten reicht eine kleine Tasche auf dem Beifahrersitz schon aus, um das Signal ertönen zu lassen, auch wenn gar kein Mensch darauf Platz genommen hat, der sich anschnallen müsste. Das ist zwar nervig, hat aber durchaus einen Sinn: Schwere Gegenstände, die im Fahrzeug herumliegen, können bei einem Unfall zum Wurfgeschoss und somit sehr gefährlich für die Insassen werden. Verstaut diese Gegenstände also am besten immer im Fuß- oder Kofferraum oder schnallt sperrige Gegenstände eben mit dem Sicherheitsgurt fest.

2. Türassistent

Es ertönt ein Signalton, wenn Türen am Fahrzeug nicht richtig geschlossen wurden. Meist zeigt die Anzeige im Cockpit auch, um welche Tür es sich genau handelt. Sehr praktisch.

3. Lichtassistent

Die einfachste Variante des Lichtassistenten ist das Signal, das ertönt, wenn ich das Fahrzeug verlassen will und vergessen habe, das Licht auszuschalten. Das Licht beansprucht die Batterie des Fahrzeugs. Wenn ich also über mehrere Stunden mein Licht im Auto anlasse, obwohl ich es bereits geparkt und verlassen habe, kann es sein, dass mein Wagen danach nicht mehr anspringt. Modernere Systeme entscheiden automatisch, wann das Licht ein- oder ausgeschaltet werden kann oder muss. Einige können sogar bei Dunkelheit erkennen, wann ich Fernlicht benötige bzw. wann ich es wegen eines entgegenkommenden Fahrzeugs wieder ausschalten sollte und übernehmen dies automatisch für mich.

4. Spurwechselassistent

Der Spurwechselassistent zeigt mir in den Außenspiegeln, ob sich ein Fahrzeug oder eine Person im toten Winkel befindet. Setze ich den Blinker, weil ich die Spur wechseln möchte, warnt mich das System mit einem Licht oder sogar mit Vibration vor Fahrzeugen, die ich im Spiegel nicht erkennen konnte. Ein zusätzlicher Schulterblick ist dennoch unerlässlich.

5. Spurhalteassistent

Der Spurhalteassistent soll mich vor Unfällen verursacht durch Ablenkung schützen. Fahre ich also zu weit rechts oder links, ohne es zu bemerken (oder weil ich, wie oben beschrieben, vergessen habe, den Blinker zu setzen) warnt mich dieser über ein Vibrieren des Lenkrads oder mit einem Ton. Einige Systeme lenken sogar gleich leicht gegen.

6. Abstandsregler

Wer oft auf der Autobahn unterwegs ist, wird vom Abstandsregler oder Tempomat entlastet. Ich gebe die gewünschte Geschwindigkeit vor, die dann automatisch konstant gehalten wird, bis ich eingreife z.B. auf die Bremse trete. Der moderne Assistent nimmt passend zum Verkehrsfluss das Gas weg, beschleunigt und bremst sogar automatisch. So wird der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern eingehalten.

7. Notbremsassistent

Der vorausschauende Notbremsassistent erkennt frühzeitig, wenn es zum Unfall kommen könnte und hilft mir bei der Bremsung. Wichtig: Der Notbremsassistent ist, wie der Name schon sagt, für den Notfall vorgesehen und nimmt mir deshalb nicht grundsätzlich das Bremsen ab.

8. Tempowarnung / Verkehrszeichenassistent

Der Verkehrszeichenassistent behält für mich die aktuell erlaubte Geschwindigkeit im Blick und zeigt mir diese an. Das System kann die Verkehrszeichen und somit auch die Geschwindigkeitsbegrenzung auslesen. Ändert sich diese oder halte ich mich nicht an das vorgegebene Tempo, werde ich mit einem Signalton darauf hingewiesen.

9. Parkassistent

Die einfachste Variante des Parkassistenten ist der Abstandssensor vorne und hinten, der mir durch das Piepen und der Anzeige im Bildschirm sagt, wieviel Abstand ich beim Parken zu den Hindernissen um mich herum noch zur Verfügung habe. Modernere Systeme werden dabei auch von Kameras unterstützt. Der Parkassistent an sich kann sogar noch mehr: Er parkt durch selbstständiges Lenken nicht nur für mich ein, er findet sogar vorher die passende Parklücke.

10. Müdigkeitswarner

Wie der Name schon sagt, beugt der Müdigkeitswarner Unfällen, die aus Müdigkeit (auch als „Sekundenschlaf“ bekannt) entstehen, vor. Dazu wird mein Lenkverhalten während der Fahrt vom Fahrassistenzsystem analysiert. Zum Beispiel abruptes Korrigieren in Kombination mit der Geschwindigkeit des Autos oder meines Blinkverhaltens. So berechnet der Müdigkeitswarner, wann eine Pause eingelegt werden sollte und zeigt mir dies an.

Keine-Instagram-Stories-während-der-Fahrt-Assistent

Ein Assistent, der mir als Social Media Manager ganz besonders wichtig ist, den ich bisher aber noch nicht in Fahrzeugen gesehen habe (korrigiert mich, wenn ich mich irre), wäre der Keine-Instagram-Stories-während-der-Fahrt-Assistent. So häufig werden wir mit unserem Instagram-Kanal in Stories, also kurzen Videos auf Instagram, erwähnt, die nachweislich während der Fahrt und am Steuer aufgenommen wurden. Das ist nicht nur verboten, sondern auch lebensgefährlich. Lasst das bitte – für eure Sicherheit und der aller anderen Verkehrsteilnehmer. Bei allen Assistenten gilt wie immer: sie sind eine Unterstützung und keine garantierte Kontrolle. Die Verantwortung liegt immer noch bei uns.

Autorin des Beitrags

Viktoria Kux

Viktoria Kux

Social Media Managerin

Viktoria Kux arbeitet bei TÜV Rheinland als Social Media Manager innerhalb des Newsrooms. Egal ob ein neues Foto für Instagram oder ein Video für YouTube produziert werden muss, in ihrem Arbeitsalltag dreht sich alles um soziale Netzwerke. Auch privat bloggt sie gerne – über die schönsten Ausflugstipps zwischen Koblenz und Köln, Reisen in die weite Welt oder leckere Rezepte zum Nachkochen. Deswegen ist sie nach der Arbeit immer auf der Suche nach schönen Fleckchen Erde und neuen Rezepten – natürlich mit der Kamera im Gepäck.

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