Mit damals 18, heutzutage 17 Jahren begleitet uns ein ganz großes Thema – der Führerschein. Einmal durchrasseln passiert vielen, aber deshalb lieber betrügen statt lernen? Das scheint leider ein fragwürdiger Trend zu sein.

Das Geschäft mit dem Test

Der Führerschein bedeutet Unabhängigkeit und Freiheit. Durchaus verständlich, dass man da aufgeregt ist und die theoretische und praktische Prüfung so schnell wie möglich hinter sich bringen will. Einige Fahrschüler setzen allerdings nicht mehr aufs Lernen, sondern auf Betrug. Sie kaufen sich von organisierten Banden die Theorieprüfung illegal und dürfen so ohne das wichtigste Grundwissen auf die Straße. Es hat sich eine Art “Führerschein-Schwarzmarkt” entwickelt. Die Kosten für die Manipulation liegen zwischen 500 und 1500 Euro.

Individuelle Gründe für Führerschein-Betrug?

Aber was einen Fahrschüler dazu bewegt, so viel Geld für den Betrug auszugeben, wissen wir nicht genau. Schließlich ist der Führerschein an sich ja schon teuer genug. Ein möglicher Grund ist sicherlich Prüfungsangst, ein anderer ist der Druck, den sich die Fahrschüler selbst machen. Auch Sprach- und Verständnisprobleme sind sicherlich eine Hürde – obwohl die theoretische Fahrerlaubnisprüfung mittlerweile in 12 Sprachen angeboten wird.

Egal was für Gründe der Einzelne hat, Tatsache ist, dass es immer mehr Fahrschüler werden, die die Betrugsmasche der Führerschein-Mafia versuchen. TÜV Rheinland nimmt in 4 von unseren 16 Bundesländern die Prüfungen ab. Alleine bei diesen Prüfungen wurden 2019 bei über 500 Betrug festgestellt. Bundesweit waren es 2017 ca. 1600 Täuschungsversuche pro Jahr, Tendenz steigend. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Interessant ist, dass die Fälle häufiger in Ballungsräumen als in ländlichen Regionen auftreten. Wahrscheinlich sind die Banden in Großstädten einfach aktiver, da es dort mehr Fahrschüler gibt. An ihre Kunden, die dazu bereit sind den Führerschein illegal zu kaufen, kommen sie jedenfalls ganz leicht.

Betrugsfälle in 4 Bundesländern

So macht’s die Führerschein-Mafia

Organisierte Banden haben diesen lukrativen Geschäftszweig für sich entdeckt. Der Führerschein Schwarzmarkt boomt. Sie erreichen ihre potentiellen Kunden ganz einfach über die sozialen Medien. Noch einfacher erreichen sie die Fahrschüler direkt vor Ort. Frisch durchgerasselt erweist sich so ein frustrierter Fahrschüler als zahlungswilliger Klient. Beim nächsten theoretischen Prüfungsversuch wird der Fahrschüler mit technischer Spionage-Ausrüstung ausgestattet. Eine Minikamera versteckt in Knopfloch, Brille oder Armbanduhr filmt den Bildschirm ab. Der Prüfling fährt dann langsam mit der Maus über die Antwortmöglichkeiten, bis ihm ein Knopf im Ohr die richtige Auswahl flüstert. Der “Profi” befindet sich dann meistens in einem Auto vor dem Gebäude oder auf einem Parkplatz in der Nähe.

Täuschungsversuche fliegen auf

Mit dieser modernen Technik kann dann eigentlich nichts mehr schief gehen. Allerdings gibt es doch noch eine große Schwachstelle, weshalb so viele beim Täuschungsversuch auffliegen – und zwar der Fahrschüler an sich. Die meisten Prüfer haben mittlerweile ein Auge dafür. Sitzt jemand steif und angespannt vor dem Bildschirm, rutscht nach links und rechts, vorne und hinten, ist dies ein Indiz dafür, dass er mit der Kamera die Fragen richtig einfangen will. Bemerkt der Prüfer den Täuschungsversuch, wird der Fahrschüler am Ende in einen Nebenraum gebeten und von der vorher verständigten Polizei durchsucht.

Theorieprüfung illegal gekauft und erwischt – die Folgen”

Es ist wie Schummeln in der Schule – es hat kaum Konsequenzen. Das gilt sowohl für die Betrügerbanden, als auch für den Prüfling. Bei entdeckten Täuschungsversuchen gilt die theoretische Fahrerlaubnisprüfung lediglich als nicht bestanden. Für die Wiederholung der Prüfung wird eine Sperrfrist von sechs Monaten verhängt, danach darf der Fahrschüler es erneut versuchen. Nicht mal eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) muss der Prüfling absolvieren – dafür fehlt die rechtliche Grundlage. Es liegt auch keine Strafbarkeit etwa wegen Betruges (§ 263 StGB) vor, weil kein Schaden entstanden ist.

Rechtliche Änderung nötig

Hier wäre dringend eine rechtliche Änderung nötig. Bei schwerwiegenden Täuschungsversuchen – wie im Fall der Beauftragung der Führerschein-Mafia – müsste die charakterliche Eignung überprüft werden, wie dies auch bei einem erheblichen Verstoß oder wiederholten Verstößen gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen möglich ist. Außerdem fehlt es an einer zentralen Dokumentation im Fahreignungsregister. Denn sonst können Bewerber einfach in einem anderen Landkreis einen neuen Antrag stellen und müssen so nicht einmal die sechs Monate Sperrfrist absitzen.

Neben all den aufgedeckten Betrugsversuchen ist jedoch eines viel schlimmer – die Folgen der erfolgreichen Betrüger. Das bedeutet nämlich, dass auf deutschen Straßen immer mehr Autofahrer unterwegs sind, die von Verkehrsregeln keine Ahnung haben. Unfälle sind da vorprogrammiert. Hoffen wir, dass sich in der Rechtsprechung hier schnell etwas tut.

Autor des Beitrags

Arianna Blittersdorf

Arianna Blittersdorf

Social Media Managerin

In Köln geboren, lebt sie mittlerweile in Bochum, mitten im „Pott“. Auf der Arbeit dreht sich alles um Mobilität, Zuhause gibt’s Spieleabende, ein gutes Buch und irgendwo ist immer ein Vorrat an Schokolade zu finden.

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